MR-Energietag: Energiemanagement als Chance für landwirtschaftliche Betriebe

von Nicole Pielmeier

Wie lässt sich Energie auf dem eigenen Betrieb effizienter nutzen? Welche Rolle spielen Stromspeicher und intelligente Steuerungssysteme? Und wie können Landwirte ihre Energiekosten senken und unabhängiger vom Strommarkt werden? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Teilnehmer beim Energietag des Maschinen- und Betriebshilfsrings Cham e. V. am Dienstag, den 27. Oktober 2026.

Wo liegen die größten Herausforderungen?

Zum Einstieg in den Energietag wollten wir wissen, welche Themen die Landwirte beim Energiemanagement besonders beschäftigen. Über eine anonyme Echtzeitumfrage konnten die Teilnehmer ihre Erfahrungen, Herausforderungen und Erwartungen einbringen.

Das Ergebnis: Bereits 60 Prozent der Befragten verfügen über eine Photovoltaikanlage. Gleichzeitig sehen 82 Prozent bei den Speichermöglichkeiten eine große Herausforderung. Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Frage, wann sich ein Stromspeicher wirtschaftlich rechnet, beschäftigen die Betriebe.

Damit wurde schnell deutlich, wie groß der Informationsbedarf ist und wie wichtig es ist, die vorhandenen Möglichkeiten individuell für den eigenen Betrieb zu bewerten.

Energiepotenziale erkennen und nutzen

Sepp Haller von der Bioenergie GmbH & Co. KG in Schäferei machte deutlich, dass sich Landwirte frühzeitig mit den Entwicklungen der Energiebranche auseinandersetzen sollten. Automatisierung in der Landtechnik und alternative Antriebssysteme bieten Chancen, Betriebskosten zu senken, Ressourcen zu schonen und die Abhängigkeit von Kraftstoffpreisen zu verringern.

Landwirtschaftliche Betriebe bringen dafür gute Voraussetzungen mit: Eigene Flächen und Gebäude eröffnen vielfältige Möglichkeiten zur Energieerzeugung und -nutzung. Entscheidend sei, die Potenziale des eigenen Betriebs zu erkennen und daraus zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln.

Strom intelligent steuern statt nur speichern

Franz-Josef Feilmeier, Co-Geschäftsführer der FENECON GmbH, gab Einblicke in die Entwicklung seines Unternehmens und seine Sicht auf die Energiewende. Gemeinsam mit seinem Bruder Stefan gründete er FENECON in der Garage des elterlichen landwirtschaftlichen Betriebs. Heute beschäftigt das Unternehmen mehr als 400 Mitarbeiter an vier Standorten in Deutschland; ein weiterer Standort in den USA befindet sich im Aufbau.

Feilmeier betonte, dass es nicht ausreiche, immer mehr Photovoltaikanlagen und Stromspeicher zu installieren. Vielmehr müssten Energieerzeugung, Speicherung, Verbrauch und Einspeisung intelligent aufeinander abgestimmt werden.

Ein Speicher, der ausschließlich dann geladen wird, wenn die Photovoltaikanlage Strom produziert, ist nicht automatisch die wirtschaftlichste Lösung. Im Sommer kann er schnell voll sein, während im Winter nur wenig Energie zur Verfügung steht. Eine intelligente Steuerung berücksichtigt deshalb auch Wetter- und Verbrauchsprognosen sowie die Entwicklung der Strompreise.

Mit dem FENECON Energiemanagementsystem (FEMS) werden die Energieflüsse im Betrieb erfasst und die angeschlossenen Komponenten bedarfsgerecht gesteuert. Die zentrale Botschaft: Nicht nur Strom erzeugen, sondern ihn auch zum richtigen Zeitpunkt nutzen.

Individuelle Energiemanagementsysteme für Unternehmen

Nach der Mittagspause stellte Klaus Nagl, Geschäftsführer der Consolinno Energy GmbH, verschiedene Möglichkeiten eines betrieblichen Energiemanagements vor. Das Unternehmen entwickelt individuelle Lösungen, mit denen Erzeugung, Verbrauch und Speicherung aufeinander abgestimmt werden.

Anhand praktischer Beispiele zeigte Nagl, wie Unternehmen ihre Energiekosten senken und vorhandene Energie besser nutzen können. Photovoltaikanlagen, Stromverbraucher und Speicher werden dafür intelligent miteinander verknüpft. Dank einer offenen Softwarearchitektur lassen sich auch zusätzliche Komponenten unterschiedlicher Hersteller integrieren. So können die Lösungen an die jeweiligen betrieblichen Anforderungen angepasst werden.

Wie es in der Praxis funktioniert

Besonders anschaulich wurde es beim Erfahrungsbericht von Michael Wagner aus Rhan. Auf seinem Milchviehbetrieb mit Melkroboter, Photovoltaikanlage und Stromspeicher kann er nach eigenen Angaben rund 75 Prozent seines Strombedarfs selbst erzeugen und nutzen. Das reduziert den Strombezug aus dem Netz und trägt dazu bei, den CO₂-Fußabdruck seiner Milchproduktion zu verringern.

Sein Beispiel zeigte, dass ein durchdachtes Energiemanagement auch in der Landwirtschaft konkrete Vorteile bringen kann. Entscheidend ist, die einzelnen Komponenten aufeinander abzustimmen und die betrieblichen Gegebenheiten genau zu betrachten.

Unser Fazit: Die passende Lösung für den eigenen Betrieb finden

Der Energietag hat gezeigt, dass die Landwirtschaft vielfältige Möglichkeiten bietet, Energie effizienter zu nutzen. Gleichzeitig gibt es nicht die eine Lösung, die für jeden Betrieb gleichermaßen geeignet ist. Ob Speicher, intelligente Steuerung oder die Anpassung des eigenen Stromverbrauchs – entscheidend ist, die individuellen Voraussetzungen zu kennen und wirtschaftlich sinnvolle Entscheidungen zu treffen.

Als Maschinenring möchten wir unsere Mitglieder dabei unterstützen, neue Entwicklungen kennenzulernen, Chancen für den eigenen Betrieb zu erkennen und sich mit zukunftsweisenden Lösungen auseinanderzusetzen. Der Energietag bot dafür wertvolle Impulse und zahlreiche Anregungen für die praktische Umsetzung auf dem eigenen Hof.


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